Ein Tag am See

Nur etwa 25 Kilometer südwestlich von München liegt der Starnberger See, den man wegen seiner Nähe zur Landeshauptstadt auch die „Badewanne Münchens“ nennt. Bekannt geworden durch den mysteriösen Tod des Märchenkönigs Ludwig II. bietet der See wie kein anderer in Bayern viele alte Villen und Schlösschen.

Auf dem Heimweg von unserem alljährlichen Pfingsturlaub dachten wir uns, wäre es die ideale Gelegenheit, am Starnberger See eine kleine Pause einzulegen. Ich liebe es einfach die Fahrt optimal zu nutzen und unbekannte Orte, die eh auf dem Weg liegen, einen kurzen Besuch abzustatten.

Wir holten uns einen Kaffee, setzten uns auf eine Parkbank direkt am Ufer und beobachteten gemütlich das Treiben. Familien gingen Spazieren, Kinder tobten am „Strand“ und die Schwäne ließen sich seelenruhig vom Wasser treiben.

Sie waren Cousin und Cousine, der eine wuchs auf der Ostseite des Sees auf, die andere auf der Westseite – und um beide ranken sich heute Mythen. Ludwig II. verbrachte seine Kindheit in Schloss Berg und kam am dortigen Seeufer auch ums Leben: Nachdem der Märchenkönig von seinem Psychiater für unmündig erklärt wurde, lebte er unter Aufsicht in dem Schloss am Ostufer. Seine Leiche wurde im kniehohen Wasser des Starnberger Sees gefunden. Bis heute ist ungeklärt, ob der gute Schwimmer hier durch einen Unfall ertrunken ist oder ob es sich um einen Suizid oder gar Mord handelt. Ein Gedenkkreuz an der Todesstelle im Wasser und eine Votivkirche erinnern an den Tod des Königs.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees lebte Sissi bis zu Ihrer Hochzeit mit Kaiser Franz von Österreich im Schloss Possenhofen. Durch dessen Schlosspark kann man heute noch spazieren. Das Schloss selbst, das übrigens schon im 16. Jahrhundert von Herzog Wilhelm IV. erbaut wurde, ist heute in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Und zack, bumm: Da schmetterte plötzlich die Musikkapelle, ein paar Meter von uns entfernt, auch schon die ersten Töne raus. Während ich der Musik lauschte, beobachtete ich weiter den Trubel, der an dem Ufer noch immer herrschte. Währenddessen ließ ich den nun zu Ende gehenden Urlaub noch einmal Revue passieren und musste schmunzeln. Die Tage, die anstrengenden Touren, die Gespräche – all die wunderschönen Dinge, die mir in den letzten Tagen passiert sind, spielten sich noch einmal in meinem Kopf ab. Mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge. Traurig, weil der Urlaub schon wieder viel zu schnell vorbei war, doch gleichzeitig freute ich mir bereits auch schon wieder auf das nächste Jahr und war gespannt wohin es dann wohl gehen wird. In dem Moment wusste ich noch nicht, dass eine noch nie dagewesene Herausforderung namens Corona uns einen Strich durch die Rechnung machen würde.

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