Das Fest mit Plötzlichkeitscharakter

Alle Jahre wieder und doch steht es dann plötzlich vor der Türe: Weihnachten. Das Datum ist bekannt, die Vorfreude wächst, doch das Timing bleibt schlecht. Völlig überraschend schrumpft der Countdown, dabei muss noch das ein oder andere geplant werden. Ruhe und Besinnlichkeit scheinen unmittelbar vor dem Fest so fern wie nie zuvor.

Dabei liebe ich dieses Fest und vor allem die Adventszeit so sehr. Ich liebe es nicht nur, weil wir uns an Wei­h­nacht­en mit der Fam­i­lie einkuscheln und besinnliche ruhige Tage miteinan­der ver­brin­gen kön­nen, son­dern auch, weil es das Fest der Liebe ist. Weil die Wei­h­nachts­geschichte so wun­der­schön ist und weil so viele heimelige Tra­di­tio­nen an diesem Fest hän­gen. Eigentlich.

Denn dann schaue ich mich auf den Einkauf­sstraßen um und sehe Men­schen, die sich gegen­seit­ig anrem­peln mit vollen Tüten in den Hän­den. Ich sehe Massen, die sich durch Wei­h­nachtsmärk­te pressen, bei denen es die immer gle­ichen bun­ten Dekodinge zu kaufen gibt. Ich sehe verknif­f­ene, gehet­zte Gesicht­saus­drücke und ich sehe Kaufhaustüren vor der Nase ander­er Men­schen zufall­en, weil jed­er irgend­wie nur mit sich beschäftigt ist und weil jed­er es so unglaublich eilig hat und weil jed­er noch dreißig­tausend Geschenke besor­gen muss für das Wei­h­nachts­fest.

Was Weihnachten eigentlich bedeutet …

Und dann frage ich mich, wann eigentlich aus dem Fest der Liebe das Fest des Kon­sums gewor­den ist. Ich frage mich, wieso wir Geschenke­berge brauchen, glitzernde Deko und massen­weise Essen, statt uns ein­fach auf das Wesentliche zu konzen­tri­eren: Die Fam­i­lie und den Wun­sch, eine gute Zeit miteinan­der zu haben.

Schöne Erinnerungen statt Konsum

Ich kann mich so viel bess­er an die Wei­h­nacht­splätzchen erin­nern, die meine Mut­ter für uns jedes Jahr geback­en hat. Die dann neben dem Tan­nen­baum auf dem Wohnz­im­mer­tisch standen und wir darum herum grup­piert zusam­men­saßen und irgendwelche Gesellschaftsspiele gespielt haben bis weit nach Mit­ter­nacht. 

An die Geschenke, die ich damals bekommen habe, kann ich mich nicht mehr richtig erinnern.


Geschenke gibt es bei uns schon lange nicht mehr wirklich. Und wenn es nach meinem Vater ginge, würden wir jeden Abend zusammen Hausmusik machen – vielleicht geht sein Wunsch ja bald in Erfüllung. Denn darum geht es an Weihnachten: Zeit und Liebe. Das größte Geschenk, das man jemandem machen kann. Worauf ich allerdings dann doch irgendwie nicht verzichten kann: Ganz traditionell gibt es in unserer Familie, seit ich denken kann, Linsen zum Mittag (damit das Geld nicht ausgeht), abends Blaue Zipfel mit Meerrettich und nachts geht es gemeinsam in die Christmette.

Ich würde mich freuen, wenn die Men­schen sich wieder mehr an die Wei­h­nachts­geschichte erin­nern wür­den, wenn sie einan­der anlächeln wür­den auf der Straße unter der Wei­h­nachts­beleuch­tung statt einan­der anzurem­peln. Wenn wir weniger Geschenke­berge anhäufen und mehr Zeit und gute Stim­mung ver­schenken wür­den. Es wäre so schön, wenn wir weniger durch die Wei­h­nacht­stage het­zen und mehr miteinan­der reden wür­den. Wenn Wei­h­nacht­en wieder mehr zum Fest der Liebe wer­den würde.

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