Die Stadt des Lichts II

Bevor wir uns wieder weiter auf dem Weg machen (was wir bisher alles erlebt haben, hier nach lesen: Die Stadt des Lichts I), legen wir erstmal eine kleine Pause im Jardim da Estrela ein. Nicht weit von unserem Hotel befindet sich diese grüne Oase mitten in Lissabons Stadtteil Estrela. Am besten lässt sich der Park mit den Worten „ruhig“ und „entspannt“ beschreiben – der perfekte Ort eben kurz dem Großstadtgetümmel zu entfliehen. Auch das Café Bela-Sombra ist absolut empfehlenswert, es erinnert mich ein wenig an das berühmte Café Rondo in Bamberg.

Direkt gegenüber des Jardim da Estrela befindet sich neben der Tram-28-Haltestelle unübersehbar die Basílica da Estrela, auch Sternbasilika genannt.

Basílica da Estrela

Da steht sie, die „Sternbasilika“, mit ihrer eleganten, weiß strahlenden Kuppel, die seit 1789 eine Ikone im Lissabonner Stadtbild ist. Kleine Ähnlichkeiten mit dem Petersdom sind kein Zufall: Der Lehrer des Architekten war in Rom aktiv.

Mit der Kuppelkirche sollte ein männlicher Thronfolger gefeiert werden. Zudem ist die Basílica da Estrela Lissabons eleganteste und freundlichste Kirche und bei betuchten Lissabonnern und Prominenten sehr beliebt für Trauerfeiern. Ich hab auch festgestellt, dass hier verhältnismäßig wenig Touristen anzutreffen sind. Fast schon alleine kann man die Sternbasilika in Ruhe besichtigen.

The Pink Street

Die Rua Nova do Carvalho, oder bei Touristen besser bekannt als: Pink Street. Momentan ist sie eines der bekanntesten und beliebtesten Gebiete für das Nachtleben der Einheimischen – in vergangenen Zeiten allerdings war dieses Viertel vor allem für Prostitution, Drogenhandel und üble Gestalten bekannt. Doch in den letzten Jahren wurde das Image dieses Stadtviertel ordentlich aufpoliert.

Doch hier trifft man eben auch auf viele Touristen. Wie der Name schon sagt, ist die Pink Street eine pinke Straße – weshalb die Straße ein super besonderes Fotomotiv ist und nicht nur deshalb mit zu einem der Hotspots in Lissabon zählt.



Convento do Carmo

Endlich kann ich euch das für mich mit Abstand persönliche Highlight meines Lissabonaufenthaltes vorstellen: das Convento do Carmo.

Mitten in der Innenstadt, auf der Grenze zwischen Chiado und Bairro Alto, befindet sich das Convento do Carmo, ein Carmo Kloster. Diese imposante Ruine lässt vor allem die Spuren des Erdbebens von 1755 sehen. 

Zuerst könnte man denken, dass das Convento do Carmo als Erinnerung an das Erdbeben dient, aber im Inneren entdeckt man im Museum allerlei Dinge über einen großen Teil der portugiesischen Geschichte, von der frührömischen Zeit bis ins 18. Jahrhundert. In den fünf Sälen im hinteren Teil findet man unter anderem einen Sarkophag aus Ägypten und portugiesische azulejos, die älter als 200 Jahre sind.

Aber mal ehrlich: der wichtigste Grund für einen Besuch dieses Klosters ist die Atmosphäre der ehemaligen Kirche. Für 4 Euro (die sich übrigens mehr als lohnen!) tritt man aus einer geschäftigen Stadt in ein herrlich ruhiges stilles Gebiet. Denn obwohl seit dem Erdbeben kein Dach mehr auf dem Gebäude ist, hört man beinahe nichts von den Geräuschen der Stadt.


Wir steigen nun in den Bus, es geht nämlich nach Belém. Zu laufen wäre etwas weit, denn Belém – ein Stadtteil Lissabons, der circa fünf Kilometer westlich vom Zentrum entfernt ist und auch direkt am Tejo-Ufer liegt.

Belém

Belém. Hier starteten Portugals hartgesottene Seefahrer ihre Entdeckungsreisen, hier gingen sie nach fürchterlichen Stürmen und Tausenden von öden Seemeilen, nach bestandenen Abendteuern und wüsten Eroberungen wieder an Land. Und mit ihnen Eindrücke von unbekannten Küsten, neu Entdecktes und Erbeutetes.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Belém sind an einem Tag zu schaffen, aber für alles andere plant man besser einen weiteren ein. Hauptsehenswürdigkeiten sind diese drei: das Jerónimokloster (Mosteiro dos Jerónimos), der Turm von Belém (Torre de Belém) und das Denkmal der Entdeckungen (Padrao dos Descobrimentos).

Mosteiro dos Jerónimos

Man weiß gar nicht wohin man zuerst schauen soll: Die gesamte Fassade aus Kalkstein des Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster) ist kunstvoll gestaltet – die Wände, die Decken, die Fenster, die Türen und Portale mit ihren Verzierungen und Spitzen.

Das Gleiche sobald man das Kloster betritt: Auf zwei Ebenen rahmen die Gänge mit reich verzierten Bögen und Fenstern den Innenhof ein. Ich übertreibe nicht, wenn ich sagen, dass ich sobald ich das Kloster betreten habe, total beeindruckt war. Ich kann gleich vorwegnehmen, die 10 Euro haben sich doch irgendwie total gelohnt, wir verbrachten ganze zwei Stunden in diesem Kreuzgang. Fragt mich jetzt bloß nicht, was wir da so lange gemacht haben, im Grunde bestand der Besuch nur aus Fotos machen, Staunen und überwältigt sein!

Das Mosteiro dos Jerónimos gilt als das bedeutendste erhaltende Bauwerk manuelinischen Stils. Beauftrag von und erbaut unter Manuel I, kurz nach der Rückkehr Vasco da Gamas von seiner ersten Reise. 1544 war das Kloster nach 42 Jahren Bauzeit fertig und beherbergte bis 1834 den Orden des Heiligen Hieronymus, dessen Namen es noch heute trägt. Die Kirche des Klosters ist Santa Maria gewidmet. Ihr Südportal mit den zahlreichen prächtigen Ornamenten ist besonders sehenswert. Das Westportal zeigt den Übergang von den Stilen der Gotik zur Renaissance.

1755 beim großen Erdbeben blieb das Hieronymus-Kloster als eines von ganz wenigen Bauwerken in Lissabon intakt. Seit 1983 zählt es zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Pastéis de Belém

In der Nachbarschaft des Mosteiro dos Jerónimos liegt die berühmte Konditorei Pastéis de Belém. In der Antiga Confeitaria de Belém wird seit 1837 ein für Portugal berühmt gewordenes Gebäck hergestellt – 10.000 bis 15.000 Stück pro Tag, nach Geheimrezept versteht sich.

Eine portugiesische Versuchung

Sie gehören zu Portugal wie das Meer und der Strand: die Patéis de Nata, Vanille-Sahne-Törtchen in knusprigem Blätterteig, die man im ganzen Land genießen kann.

Die Konditorei, obwohl sie auf dem obligatorischen Touristentrail liegt, hat Charme! Neben der Schlange am Direktverkauf liegt der Eingang in das antik geflieste Labyrinth der Confeitaria mit ihren typisch portugiesisch reserviert-freundlichen Kellnern. 2011 wurde übrigens das Pastel de Belém zu einem von Portugals „Sieben Gastronomischen Wundern“ gekürt.

Aufgepasst: Die Konditorei ist sehr touristisch. Hier musst du immer (!) mit einer relativ langen Warteschlange rechnen, um die beliebten Törtchen am Tresen zu kaufen. Die verfügbaren 400 Sitzplätze sind schnell belegt. Auch morgens um 8 Uhr, wenn geöffnet wird.

Tipp: Gehe einfach an der Schlange vorbei bis zum Eingang. Dort wird die Schlange getrennt. Stelle dich einfach hier an, dann bekommst du zwar keinen Sitzplatz, aber du kannst trotzdem ein paar Pasteis de Belém an der Theke kaufen und draußen in der Sonne oder Schatten des vorgelagerten Parks genießen.

Torre de Bélem

Gebaut wurde er zur Verteidigung der Tejo-Mündung, zudem diente er den Schiffen als Orientierung, markierte er doch mit seinem Leuchtfeuer die Einfahrt nach Lissabon. Der Turm von Belém überstand das schwere Erd- und Seebeben im 18 Jahrhundert nahezu unbeschadet und ist längst zum Wahrzeichen der Stadt und von der UNESCO zum Welterbe erklärt worden.

Der Turm von Belém war auch ohne diese Auszeichnung das Wahrzeichen von Lissabon und ist das wohl berühmteste Bauwerk Portugals.

Vom Turm aus wurden Kanonen abgefeuert und in den feuchten Kellerräumen saßen damals Gefangene, und zwar unter schlechtesten Bedingungen: War die Flut besonders hoch, dann drang das salzige Tejo-Wasser in ihre Zelle ein – und stieg. Dennoch ist der Turm alles andere als furchterregend oder abweisend. Im Gegenteil: Alle mögen ihn. Für die Lissabonner gehört er dazu, ist vertraut wie ein Familienmitglied, und an Wochenenden besucht man ihn. Solange er am Ufer des Tejos steht, ist alles in Ordnung.

Das Seefahrerdenkmal & MAAT

Es ragt wie ein Schiffsbug über das Tejo-Ufer hinaus aufs Wasser und auf der Bugspitze steht Heinrich der Seefahrer. Die Symbolik des Denkmals wird erst dann deutlich, wenn man es von der Seite betrachtet. Doch noch ein Highlight versteckt sich hier: die Weltkarte auf dem Boden vor dem Padrao dos Descobrimentos. Fährt man auf die Aussichtsplattform im siebten Stock (56 Meter hoch) bietet sich ein toller Blick auf die Windrose, die die Entdeckungen und Eroberungen der Portugiesen mit genauen Jahreszahlen zeigt.

Der Bau mit seiner einmaligen Architektur direkt am Fluss ist das Zuhause für zeitgenössische Kunst, Architektur und Technologie: Das Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia (MAAT).

Die Sonne glitzert auf dem Wasser vom Fluss. Die südliche Fassade des MAAT-Gebäudes spielt genau mit diesem Licht, reflektiert und verändert es, je nachdem von wo aus man schaut. Die hellen, teils dreidimensionalen Kacheln bedecken die Fassade. Die Fliesen wirken wie eine moderne Variation der für Lissabon so typischen Azulejos, der Kachelbilder auf den Fassaden.


Mosteiro dos Jerónimos: Kirche frei, Kreuzgang 10 Euro (Erster Sonntag im Monat frei)

Torre de Belém: Eintritt 6 Euro (Erster Sonntag im Monat frei)

Padrao dos Descobrimentos: Eintritt 4 Euro


Wir kehren Belém den Rücken und machen uns zurück in das fünf Kilometer entfernte Zentrum Lissabons. Wir drehen eine kleine Runde mit den Hop-on-Hop-off-Bus und klappern innerhalb ein/zwei Stunden alles sehenswerte noch einmal ab und erfahren dabei nicht nur noch ein paar interessante Geschichten über die Stadt des Lichts, sondern bekommen auch noch etwas Fado zu hören.

Fado war lange Zeit die Musik der Seeleute in den Hafenspelunken, die Musik der Zuhälter, der Huren, der Stadtstreicher und Tagelöhner, krimineller Existenzen wie unglücklich Verliebter. Dass er im 19. Jahrhundert allmählich gesellschafts- und salonfähig wurde, ist vor allem Müßiggängern zu verdanken, die die verruchten „casas de fado“ aufsuchten und Fado zur neuesten Mode machten.

Die einen können ihn nicht leiden, für andere ist er Musik für die Seele, wichtiges portugiesisches Kulturgut. Das Wort Fado leitet sich vom lateinischen fatum, also Schicksal, ab. Und so handeln viele Fados von einem Schicksal, das sich nicht abwenden lässt – von enttäuschter oder unerreichbarer Liebe, vom Scheitern, von Abschied, sozialer Not, von Heimweh und Fernweh, von Trauer, von Lissabons zerstörter Pracht… die Musik strahlt Sehnsucht, Wehmut, Melancholie und „saudade“ aus – die vermeintliche Seelengrundstimmung der Portugiesen, die so etwas wie eine rückwärts gewandte Sehnsucht umschreibt.


Das Stadtviertel Alfama

Am letzten Abend wollen wir noch zwei Punkte auf unserer Liste abhaken. Und ich muss sagen, bei Nacht hat es irgendwie noch mal einen besonderen Charme bekommen.

Kein anderes Stadtviertel duftet wie die Alfama, klingt wie die Alfama. Abends ziehen Grilldüfte durch die kleinen Gassen und kehlige Fado-Gesänge klingen aus kleinen Lokalen. Man möchte am liebsten durch die Alfama herumstromern, sich in den Gassen verlieren, mit Hingabe, allen Sinnen, und findet immer noch ruhige Winkel, obwohl sich so viele Alfamaliebhaber durch das Viertel treiben lassen.


Anderswo steigt man ein und ist froh, wenn man wieder draußen ist – doch nicht in Lissabon. Zumindest für Angereiste ist die Fahrt mit der Linie 28 ein einmalig schönes Erlebnis.

Über 100 Jahre alt, schon mehr als 100-mal totgesagt – und immer noch rattern und schaukeln Lissabons alte Trambahnen, die museumsreifen „eléctricos“, durch die Straßen. Die meisten Straßenbahnlinien sind der Modernisierung zum Opfer gefallen, doch eine wird wohl auch noch in 50 Jahren über die Hügel der Tejo-Stadt rumpeln: die 28.

Das Glück der Linie 28 ist ihre Streckenführung durch schmale Altstadtgassen und über die steilen Hügel der Innenstadt. Das hat sich wahrscheinlich vor der Verschrottung gerettet. Keine der modernen langen Siemensbahnen wäre geeignet, die kurzen alten „eléctricos“ sind ideal für diese achterbahnhafte Tour, von der manche behaupten, sie sei die schönste Straßenbahnlinie der Welt.


So schnell gehen drei Tage auch schon wieder vorbei. Früh um vier klingelt der Wecker, schnell Koffer packen und ab zum Flughafen. Der nächste Städtetrip wartet schon!

Die Must-Sees auf einen Blick

Es gibt noch so viel zu Entdecken in und um Lissabon – ich denke diese wunderschöne Stadt wird mich definitiv noch einmal sehen. Auf der Karte seht ihr nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die wir geschafft haben abzuklappern, sondern auch noch ein paar zusätzlich, die wir auf der Liste hatten, aber die Zeit einfach nicht zugelassen hat.

4 Kommentare

  1. 😍wenn man das liest, dann läuft ein Film ab, der wunderschön ist. Es ist so schön beschrieben, daß man richtig Sehnsucht bekommt und sofort hin fahren möchte.
    3 Tage sind zu wenig für so eine große Stadt 🌃.

    Gefällt 1 Person

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