Die Stadt des Lichts I

Lissabon, Portugals „weiße Stadt“ am Atlantik, ist eine der facettenreichsten Metropolen in Europa. Sie hat viele Blütezeiten erlebt und ebenso viele Krisen überstanden. Die portugisische Metropole am Tejo betört mit dem Charme vergangener Zeiten, mit prächtigen Palästen, Klöstern und Burgen. Zugleich aber ist Lissabon eine moderne Stadt – dynamisch, weltoffen und szenig. Ein faszinierender, inspirierender Mix, Hand in Hand mit der Geschichte.


Quem não viu Lisboa, não viu coisa boa

Wer Lissabon nicht sah, hat noch nichts Schönes gesehen

Mit diesem stolzen Zitat der Einwohner Lissabons beginnt der Abschnitt über Portugals Hauptstadt in einem alten Reiseführer aus dem Jahre 1982.

Lissabon platzt fast aus allen Nähten durch all das Schöne: tolle Parks, wunderschöne Gebäude, große öffentliche Plätze und stattliche Avenidas. Für das Besichtigen aller Top-Attraktionen bräuchte man schon mindestens eine Woche! Was man alles gesehen und erlebt haben sollte erzähle ich euch heute in meinem Blogeintrag.

Frankfurter Skyline

Mit gepacktem Koffer gehe ich zum Bahnsteig. An Gleis 1 steht bereits mein Zug – zuerst bummel ich mit der Regionalbahn Richtung Würzburg, bevor es dann mit dem ICE an den Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens geht.

Um 14:22 Uhr fuhr ich in den Bahnhof ein. Und da steht sie auch schon: Kathi! Vor vielen Jahren meine Mitbewohnerin in Palma gewesen, heute eine meiner besten Freundinnen, ohne die ich mir ein Leben kaum noch vorstellen könnte – wenn das nicht Schicksal war. 😉

Zusammen machen wir uns auf den Weg in das Steigenberger Hotel, wenige Meter neben dem Flughafen. Hier haben wir über Kathis Freund für eine Nacht ein Zimmer gebucht – denn der Flug nach Lissabon geht morgen früh um 5:35 Uhr. Doch mit so einem VIP-Empfang haben wir beide nicht gerechnet: Wir haben einen eigenen Kofferträger, der uns zu unserem Zimmer im Exclusive Tower begleit. Völlig baff, lässt er uns erst einmal ankommen und gibt uns seine Visitenkarte, falls wir später noch Fragen haben sollten.

Als wir realisieren, was gerade überhaupt passiert ist, beobachten wir erst einmal die einfliegenden Flugzeuge, denn unser Zimmer hat freien Blick auf die Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Dann schnappen wir uns Reiseführer sowie Bademantel und machen es uns den restlichen Abend, bevor es zum Abendessen geht, im Wellnessbereich gemütlich – ich glaube das war der wohl entspannteste Start in einen Urlaub, den ich je hatte!

Abflug 5:35 Uhr

Um 4 Uhr klingelt der Wecker. In rekordzeit machen wir uns fertig, checken aus und warten auf unser Lunchpaket. Keine fünf Minuten mit dem Bus sind wir dann auch schon am Flughafen. Gefühlt ist es noch mitten in der Nacht, doch am Terminal herrscht hochbetrieb. Auch am Gate sind bereits alle Plätze belegt. Doch schon erklingt eine Stimme und fordert zum Boarding auf… und ruckzuck sitzen wir auch schon im Flieger. Drei Stunden noch, dann sind wir endlich in Lissabon!


Bei entsprechender Windrichtung gibt es einen spektakulären Anflug über Lissabon: Das Flugzeug fliegt in weiter Kurve über die Tejo-Mündung und die Ponte 25 de Abril und dann immer niedriger über die gesamte Innenstadt, sodass man Gebäude, Autos und Menschen nach und nach erkennen kann.

Aeroporto Humberto Delgado

Noch nicht mal neun Uhr und es so warm, dass ich zuerst einmal meine Jacke ausziehen muss! Mit einer spektakulären Landung über den Tejo sind wir nun in der Stadt des Lichts angekommen. Hier geht die Zeit eine Stunde vor, also wenn es in Deutschland 8 Uhr ist, ist es in Lissabon bereits 9 Uhr.

Das Zentrum beziehungsweise unser Hotel ist knapp sieben Kilometer vom Flughafen entfernt. Für 4 Euro pro Person nehmen wir den Aerobus – mittlerweile pendelt aber auch die Metro oder Züge zwischen Zentrum und Flughafen.

Unser Hotel, Hygge Lisbon Suites, liegt zwischen den Stadtvierteln Campo de Ourique und Bairro Alto an der Basilica de Estrela. In unser Zimmer können wir noch nicht, deshalb stellen wir erstmal nur unsere Koffer ab und wagen einen ersten kleinen Sightseeing-Spaziergang in den Großstadtdschungel.



Kunstwerk, mit Füßen getreten

Plätze, Fußwege, Fußgängerzonen mit den schönsten Motiven, schwarz-weiß glänzend. Es sind geometrische Muster, Tiere oder Inschriften, Hausnummern, Firmenzeichen und Wappen. Angeblich kamen die Lissabonner nach dem Erdbeben 1755 auf die Idee, aus Trümmern kleine Pflastersteine herzustellen und damit die Gehwege und Plätze zu befestigen, ja sogar zu gestalten. Überall tritt man hier auf Pflastermosaike aus handlichen schwarzen und weißen Steinwürfeln – schwarze sind vulkanischer Basalt, weiße Kalksandstein.

Neben dem Café Brasileira im Chiado hat die Stadtverwaltung Lissabons einen 1×1 Meter großen QR-Code in den Gehweg setzen lassen – schwarz-weiß und aus Pflastersteinen. Er lässt das Hämmern der „calceteiros“ – wie die Straßenpflaster in Portugal heißen – beim Zurechtklopfen der Steine auf das Handy erscheinen.

Praça do Comércio

Viele Lissabonbesucher zieht es gleich am ersten Tag auf den großen Platz am Ufer des Tejo – zu Recht, denn immer schon war dies der Empfangsplatz der Stadt. Und als wolle die alte Seefahrermetropole direkt mit ihrer Geschichte auftrumpfen: Vom Cais das Colunas mit den Steinsäulen und den flachen Treppenstufen, die ins Wasser führen, sieht man in der Ferne den Atlankikhorizont.

Das Herz Lissabons: Der Praça do Comércio ist einer der drei wichtigen und großen Plätzen in der neu gebauten Innenstadt von Lissabon. Auf Deutsch bedeutet sein Name „Platz des Handels“. In einigen Regionen, nahe des Flusses Tejo, kennen die Bewohner den Platz noch unter seinem alten Namen: „Terreiro do Paço“. Dies ist auf seine Vergangenheit zurückzuführen. Der alte Name bedeutet übersetzt „Palastgelände“ und basiert darauf, dass sich bis 1755 das Uferschloss des Königs auf dem heutigen Platz befand. Dieses diente mehr als 200 Jahre den portugiesischen Königen als Residenz. Der Platz liegt direkt am Hafen und war somit das Zentrum des Handels.


Fünf unbezahlbare Erlebnisse:

  1. Bus und Bahn einfach mal sein lassen: Lissabon lässt sich am schönsten zu Fuß erkunden, das Eigentliche der Stadt erschließt sich so am besten.
  2. Palastkonzerte: Eine Auszeit im Sightseeingmarathon gelingt einem am besten im Spiegelsaal des Palácio Foz – hier gibt es Kammerkonzerte – der Eintritt ist oft frei, Termine sind unregelmäßig.
  3. Durch die Tiefen der portugiesischen Unterstadt kann man sich gratis führen lassen. Ein faszinierender Blick in ein uraltes Lissabon direkt unter der Millenium Bank.
  4. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt in vielen Museen frei, das vielleicht als Faustregel für die Planung des nächsten Städtetrips beachten.


Cemitério dos Prazeres

Am Ende der historischen und inzwischen sehr touristischen Tramlinie Nr. 28 liegt wahrscheinlich der wunderlichste Friedhof, den Europa zu bieten hat. Lissabons bekanntestes Begräbnisstätte ist eine Miniaturstadt mit Straßen und Häusern. Schon der Name ist merkwürdig, fast etwas anzüglich: Cemitério dos Prazéres heißt „Friedhof der Vergnügen“. Doch der Name des 1833 angelegten Friedhofs ist letztlich doch nicht so unangemessen, wie man denken mag. Er leitet sich von Nossa Senhora dos Prazeres ab, jener Senhora, die für Freude, Vergnügen und Behagen im Leben zuständig ist.

Das Friedhofsgelände ist riesig, eine Stadt für sich. Die vielen Mausoleen, die an Häuser erinnern, und zypressenumsäumte Alleen führen durch die kleine Stadt.

Bei einem Städtetrip denkt man sicherlich nicht daran, einen Friedhof zu besuchen. Aber mich hat dieser Friedhofsbesuch sehr beeindruckt, vor allem die Aussicht im hinteren Bereich über Lissabon und den Tejo.

Aqueduto das Águas Livres

Eines der bemerkenswertesten Ingenieurleistungen des 18. Jahrhunderts in Portugal: Das Aqueduto das Águas Livres, ein historisches Aquädukt in Lissabon. Damals war das Wasser in Lissabon knapp. Über 18 Kilometer lang floss das Wasser von Queluz bis zum Stadtteil Amoreiras.

Am allerbesten besichtigt man das Aquädukt im Alcântara-Tal: Mit gotischen Bögen überspannt das Bauwerk in über 900 Metern Länge das Tal. Der größte Bogen ist 65 Meter hoch. Das Aquädukt kann sogar besichtigt werden und ist heute noch ein absoluter Geheimtipp, kaum ein Tourist verirrt sich hier hin. Die Aussicht ist super! Der Eingang ist an der Calçada da Quintinha.

Schwindelerregender Krimi:

Die Aquädukt-Brücke, die das Alcântara-Tal überspannt, nutzten die Bewohnder der Vororte als Abkürzung in die Stadt – es verlaufen zwei schmale Fußwege zu beiden Seiten der Wasserleitung. Das wusste auch der 26-jährige Diogo Alves. Mit ein paar Kumpanen lauerte er spät abends und früh morgens Passanten auf, raubte sie aus und stürzte sie ins Tal. Drei Jahre lang, von 1836 bis 1839, terrorisierte er die Stadt, etwa 70 Menschen ließen in dieser Zeit ihre Leben. Da es zu fast nächtlicher Stunde keine Zeugen gab, ging man lange Zeit von einer zunehmenden Zahl von Selbstmorden aus, die es in der Tat auch gab. Der Fall Diogo Alves beschäftigte noch lange nach seiner Hinrichtung die Nachwelt. Sein Kopf wurde in Formalin konserviert, weil Forscher damals herausfinden wollten, ob man kriminelle Eigenschaften anhand der Schädelform erkennen kann – er existiert noch heute in der Medizinischen Fakultät. 1911 kam der Kurzfilm „Os Crimes de Diogo Alves“ in die Lissabonner Kinos, ein Remake findet sich auf Youtube.


Die Stadt des Lichts Teil II, was wir bei unserem Trip durch Lissabon noch so erlebt haben, weitere Tipps und allen Must-Sees kommt nächste Woche online.

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