Mit dem Mountainbike durchs Tierser Land

An Pfingsten ist es immer soweit: die Familie und Freunde kommen Jahr für Jahr zusammen um gemeinsam zu Fuß und mit dem Mountainbike die Berge unsicher zu machen. Das Reiseziel lautet diesmal Tiers am Rosengarten. Hier findet sich wieder der harte Kern von 14 Personen in dem auf 1.028 Meter über den Meeresspiegel kleinen Dörfchen unterhalb des berühmten Rosengartens ein. Am Sonntag, dem Anreisetag, begrüßt uns das mitten im Zentrum gelegene Hotel Paradies sowie ein traumhafter Blick hinunter ins Tal auf Bozen – direkt von meinem Zimmer für die nächsten fünf Tage.
Es gibt ja viele Dinge von denen ich mich satt sehen kann, doch dieser Blick verzauberte mich in diesem Urlaub immer und immer wieder.

Tag 1: Tour Nigerpass – Welschenofen

Der Regen vom Vortag hat sich ein wenig gelegt, sogar die Sonne spitzt hinter den Wolken hervor, sodass die Freude auf die erste Radtour noch einmal um einiges in der Radtruppe steigt. Nach ausreichend Stärkung vom reichlichen Frühstücksbuffet, das dieses Jahr besonders mit Chiasamen, Quinoapops, Gojibeeren, einer echten Honigwabe, selbstgemachter Alpenbutter und und und… punktet, schwingen wir uns motiviert aufs Rad. Laut dem heutigen Tourenplan geht es zunächst hinter Tiers rechts auf der alten Nigerpassstraße durch den Wald auf Schotter (den ich besonders liebe… nicht!) hinauf auf die Passhöhe.

700 Höhenmeter und jede Menge Schweiß später schaffe ich es tatsächlich auf den 1.690 Meter hohen Nigerpass – die Freude ist dementsprechend groß bei mir, denn die alten Herren haben mich ganz schön abgehängt.

Doch beim Nigerpass sollte es nicht bleiben. Wir fahren die Straße weiter zum Karerpass und zum Karersee, an dem wir bereits vor ein paar Jahren waren, als wir unseren Pfingsturlaub in Welschenofen verbracht haben. Sodass wir die Karerpassstraße hinunter bis nach Welschenofen weiterfahren, um uns im damaligen Stammcafé einen Espresso zu genehmigen und in Erinnerungen zu schwelgen. Als wir jedoch dort ankommen, finden wir nicht mehr das süße Straßencafé vor, sondern eine Apotheke… Also gehen wir in die Pizzeria Tyrol – pünktlich als es das Regnen anfängt!

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Und es regnet und regnet und regnet weiter. Mit Regenschutzmontur geht es wieder zurück aufs Rad und wie es der Zufall will, stehen wir schwuppdiwupp vor einer Gondel, die uns glücklicherweise wieder direkt hoch auf den Nigerpass bringt. Doch dort oben kommen wir dem nasskalten Wetter immer noch nicht davon und müssen auf der Passstraße im strömenden Regen hinunter nach Tiers fahren. Nach fünf Stunden reiner Fahrzeit, 1.506 Höhenmeter, 40 Kilometern und 1.858 verbrauchten Kalorien kommen wir endlich tropfnass im Hotel an.

 

Tag 2: Tour Wuhnleger – Völseregg – Schönblick

Die Belastung der „Einrollrunde“ am Montag steht wohl nicht nur mir heute morgen noch in den Knochen, weshalb sich die dezimierte Gruppe für eine „leichte“ Tour entscheidet – die es, wie sollte es anders ein, dennoch ganz schön in sich hat. Es soll hinauf zum sogenannten Wuhnleger gehen, weiter über Völsegg zum Berggasthof Schönblick.
Durch den Regen sind die Waldwege matschig und aufgeweicht, die Pfützen stehen im Wald bei den Singletrails noch in der Fahrrinne und natürlich nieselt es bereits wieder – doch bei schönem Wetter kann ja jeder fahren. Und wenn man bei solch ungemütlichen Wetter fährt, bekommt man auch mal solche Ausblicke geboten, die ebenfalls etwas für sich haben.

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Die Tour an Tag zwei mit vier Stunden reiner Fahrzeit und insgesamt 14 Kilometern sowie 600 Höhenmeter beweist, dass in den Bergen meist die Höhenmeter der entscheidende Punkt sind. Und auch bei einem Verbrauch von 1.535 Kalorien erkennt man, dass es alles andere als eine gemütliche Tour war – die aber selbstverständlich wieder sehr viel Spaß gemacht hat!

 

Tag 3: Bozen

An Tag drei regnet es mal wieder. Also schnappe ich mir meine Mama und wir machen so ein gemütliches Alternativ-Programm: Bozen. Ich liebe einfach diese Stadt! Das Flair, die Architektur und immer den Blick auf die Berge von den kleinen Gässchen – was braucht man mehr?!

Wir schlendern durch die Bozner Lauben sowie die Altstadt, von einem Café zum anderen und auch in das ein oder andere Einkaufsgeschäft. Und was ist das Muss schlecht hin wenn man in Bozen ist? Ganz klar: Aperol Spritz!

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Und nach einem schönen Gewitter in den Bergen, verabschiedet sich Tag drei mit diesem atemberaubenden Blick von mir.

 

Tag 4: Tour Schloss Prösels – Völser Weiher

Tag vier toppt noch einmal alles an „schlechtem“ Wetter in dieser Woche bisher. Die Wolken hängen tief, versperren den Blick aus dem Fenster und sorgen mit dem Regen für eine außergewöhnliche Stimmung. Also entschließen wir uns heute die Räder im Keller zu lassen, uns den Wanderern anzuschließen und gemeinsam Schloss Prösels zu erkunden. Vom Hotel Paradies bekamen wir direkt am Anreisetag eine Busfahrkarte für die komplette Woche, die wir so oft nutzen konnten wie wir wollten – und jetzt endlich auch mal zum Einsatz kommt.
Als wir an der Bushaltestelle stehen und wie vom Blitz getroffen der Bus um die Ecke gerast kommt, fragen sich bereits ein paar von uns, ob das auch wirklich so eine gute Idee ist. Kaum sind wir im Bus, drückt der Busfahrer auf die Tupe. Die ersten Mitfahrer haut es im Bus rum, die Gesichtsfarbe meiner Mutter verschwindet völlig, nur Papa erfreut sich an dem Fahrstil von Francesco, wie er ihn liebevoll taufte.

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Als hätten wir während der 15-Minütigen Fahrt die Luft angehalten, schnaufen alle einmal tief durch als sie halbwegs lebend aus dem Bus aussteigen dürfen. Noch ein wenig geschockt, machen wir uns dann zusammen auf den Weg zum Schloss.
Hier trennt sich die Gruppe. Die einen machen die Schlossbesichtigung. Meine Familie, wir Kulturbanausen, erkunden die Umgebung zu Fuß. Nach einem kurzen Rundweg um das Schloss Prösels und einem traumhaften Blick auf die umliegenden Dörfer, entscheiden wir uns dazu über Ums nach Völs zu laufen – das sich allerdings weiter als vermutet entpuppt. Weshalb wir in Ums auf den Bus warten, der uns schließlich nach Völs bringen soll. Ob ihr es glaubt oder nicht, es sitzt tatsächlich wieder Francesco am Steuer, dem die einspurige Straße nach Völs völlig Latte ist und jeder, der ihm in den Weg kommt, sich am besten gleich den Hang runterstürzen sollte.

Wir überleben auch diese Fahrt, nachdem meine Mutter allerdings ankündigt lieber zu Fuß nach Hause zu laufen als noch einmal mit ihm im Bus mitzufahren.
Nach dem wir das süße Bergdörfchen erkundet hatten, machen wir es uns in einem Café ziemlich nahe des Zentrums gemütlich, wo wir unsere weitere Route besprechen. Mein Plan war es ursprünglich mit dem Bus zu den Völser Weihern zu fahren. Doch der fährt erst innerhalb der Ferienzeit. So wandern wir eben die vier Kilometer und 200 Höhenmeter hinauf zu den Seen.

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Mit wenig Erwartung und anfangs dezent wenig Lust ändert sich meine Meinung schlagartig. Trotz relativ großer Menschenmassen verzaubert mich dieser Ort innerhalb weniger Sekunden. Die düstere Stimmung durch den Regen und den tief hängenden Wolken versprüht eine mystische Atmosphäre. Es lohnt sich eben doch, den Schweinehund zu überwinden und sich aus der Komfortzone zu bewegen – sonst hätte ich nie die Möglichkeit bekommen, diesen wunderbaren Ort kennenzulernen.

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Tag 5: Abschlusstour zur Hanicker Schwaige

An unserem letzten Tag wartet eine Mördertour auf mich. Es soll hinauf auf die Hanicker Schwaige gehen. Rund 900 Höhenmeter stehen zwischen mir und der Hütte in unmittelbarer Nähe zum Rosengarten.

Wenn ich allerdings die Meter zusammenzähle bei denen ich gefahren bin und bei denen ich das Rad geschoben habe bzw. getragen habe, war das wohl eher eine Radwanderung hinauf zur Hanicker Schwaige. Und wenn man ständig das Schlusslicht bildet und auf vier schöne Männerhintern blicken darf oder sogar manchmal Mutterseelenallein durch die Prärie fährt, ist das schon demotivierend. Doch solche Ausblicke wie dieser lassen das sofort wieder vergessen.

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Und sobald man weiß, dass man wirklich kurz vor dem Ziel ist, kommt irgendwoher noch einmal ein Motivationsschub und fährt die letzten Meter auf einmal entspannt zur Hütte hin. Die Leute die bereits den Kaiserschmarrn reinpfeifen sollen ja sehen, dass die 900 Höhenmeter mir natürlich nichts ausmachen.
Als einzige Radfahrer trudeln wir ein und bekommen sogar noch von einem Wanderer seine Anerkennung zugesprochen. Ich glaube auch, dass ich mir jetzt nach knapp zehn Kilometern und 968 Höhenmetern mein Spiegelei mit Bratkartoffeln und Speck mehr als verdient habe!

Gerade nach solche Touren, bei denen du denkst du schaffst es niemals bis nach ganz oben, bei denen du merkst, dass du an deine Grenzen stößt und am liebsten aufgeben willst aber dich doch irgendwie Meter für Meter hochkämpfst, bei diesen ist man dann besonders stolz auf sich und was man geleistet hat.
Eine Tatsache wurm mich allerdings immernoch: die 2.000 Kalorien habe ich auch an meinem letzten Tag nicht voll bekommen (1.923 Kalorien).

Die fünf Tage gingen wie immer zu schnell vorbei. Dafür war die Woche wie immer voll mit Eindrücken, lustigen Abenden, leckeren Essen und tollen Touren – ich bin schon gespannt welches Tal es nächstes Jahr wird!

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