Die Schätze Rödentals

Paris, Portugal, New York – Je weiter weg, desto besser. Manchmal hat man es jedoch nicht weit, für eine kurze Flucht aus dem Alltagsstress. Nicht immer braucht es ein Ticket in die weite Ferne und exotische Ausflugsziele: das Paradies lauert direkt vor der Haustüre, es wartet nur darauf entdeckt zu werden. 

Für eine Beilage im Coburger Tageblatt zum verkaufsoffenen Sonntag in Rödental, hatte ich das Vergnügen mich ins Auto zu setzen und nicht nur die Kunden abzuklappern, um ein Foto für die Zeitung zu schießen, sondern auch Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in und um Rödental auszukundschaften. Zu meiner eigenen Überraschung: Rödental hat einiges zu bieten. Ob Seen, Schlösser oder Ruinen… dieser kleine Fleck auf der Landkarte kann sich sehen lassen!

Einer meiner ersten Ausflugsziele ist der Froschgrundsee im Norden Rödentals. Der 1986 künstlich errichtete Stausee, liegt im Norden Rödentals und hat eine Grundfläche von 23 Hektar. Seit dem Neubau der ICE-Strecke bildet die größte freitragende Bogenbrücke Europas einen beeindruckenden Kontrast zum See. Im Laufe der Zeit hat sich demzufolge der Froschgrundsee zu einer echten Ruheoase für Wochenendausflügler und Erholungssuchende entwickelt:  Zahlreiche Informationstafeln geben auf dem Rundweg um den Stausee interessante Einblicke in die Tier- und Pflanzenarten im angrenzenden Biotop.  Darüber hinaus gibt es einige Kreuzungen in das weit verzweigte Wegenetz, bis hinauf ins Schaumberger Land zu entdecken.

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Wenn man die Landstraße Richtung Thüringer Landesgrenze weiterfährt, kommt man in das beschauliche Weißenbrunn vorm Wald. Ein wahres Kleinod in der Region Rödental, das gerade noch so in Bayern liegt. Ein echter Hingucker: die alte Schule.  Hier befindet sich tatsächlich eine Gedenkstätte des Dichters und ein Schulmuseum – Besichtigungen sind nur nach Terminvereinbarung mit Familie Ehrlicher möglich. Diese Ortschaft spielte im Leben des fränkischen Dichters und Volkserzählers Heinrich Schaumberger eine große Rolle.

Die große Liebe zu seiner Heimat und den Menschen, deren Charaktere er meisterlich in seinen Geschichten schilderte, seine großartige Beobachtungsgabe, die einzigartigen Naturbeschreibungen geben seinen Erzählungen und ihren Personen erst die Echtheit, die den Leser immer wieder gefangen nimmt.
Nach seinem Tod wurden die meisten Werke Heinrich Schaumbergers erst publiziert und somit sein dichterisches Schaffen einem größeren Publikum zugänglich gemacht, als sie bis dahin im Coburger Raum bekannt waren.
Prinz-Albert-Stadt, Stadt Rödental

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Ein kultureller Schatz im Coburger Land jagt den nächsten: das Kloster Mönchröden. Das ehemalige Kloster der Benediktiner im Rödentaler Stadtteil Mönchröden ist das nächste Auflugsziel meiner Liste. An Größe und Bedeutung konnte sich das vor mehr als 850 Jahren gegründete Kloster nie mit denen im benachbarten Franken, wie etwa Kloster Banz, Langheim oder auch dem thüringischen Saalfeld messen. Doch besonders das heute noch erhaltene hohe Abthaus, das mit seiner strengen, kargen Architektur, den unregelmäßigen Fensteröffnungen, dem mit Stäben, Fialen und Maßwerk reich verzierten Erker, alle Eigenheiten der gotischen Spätzeit zeigt, sollte einen Besuch wert sein. Die ehemalige Klosterkirche, seit 1971 offiziell „Christuskirche“ beeindruckt vor allem mit seinem Inneren: Das Sterngewölbe des Chors, das einfache, klare Deckengewölbe des Schiffs mit seinen feinen Rippen und Schlusssteinen und der Taufstein von 1676.

Die 1,7 Hektar große Domäne an der mittelalterlichen Handelsstraße von Sünden nach Norden liegt die Domäne Oeslau. Um ehrlich zu sein, konnte ich damit anfangs so gar nichts anfangen. Doch als ich hier ankomme, bin ich schlichtweg fasziniert: eine kleine Stadt in der Stadt. Die erste Erwähnung der Siedlung ozzelen, aus der sich das heutige Oeslau entwickelte, stammt aus dem Jahr 1162. Vom mittelalterlichen Bestand ist heute leider nichts mehr vorhanden. Im Jahr 1632 wurde während des Dreißigjährigen Krieges das Dorf komplett zerstört. Des Wiederaufbau zog sich somit rund 100 Jahre hin. Aus der Wehranlage entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine Wasserburg und schließlich ein Schloss.  1848 jedoch zerstörte ein Brand das Wasserschloss und anstelle des Wirtschaftsgebäudes entstand ein Neubau im altdeutschen Burgenstil.

Ich muss zugeben: Ich komme zur rechten Zeit. Der Tag nimmt so langsam sein Ende, die Sonne lässt die Domäne in einem einzigartigen Licht erstrahlen und von der Orchesterschule um die Ecke unterstreicht die Musik die Stimmung, die hier herrscht, auf ihre ganz besondere Art und Weise. So vergesse ich glatt, warum ich hier bin und das ich das, was ich hier mache sogar Arbeit nennen kann.

Doch ich bin immer noch nicht fertig mit meiner Rödental-Foto-Tour. Noch ein Ort fehlt auf meiner Liste zum Abhaken: das Schloss Rosenau. Das Barockschloss liegt malerisch inmitten eines Landschaftsgartens auf einem Hügel über dem Flüsschen Itz, nur einige Kilometer nordöstlich von Coburg. Die Rosenau ist ein bemerkenswert frühes Beispiel des romantischen Historismus und neugotischer Architektur. Durch neugotische Spitzbogenarchitekturen und Maßwerkornamente sollte das romantisch- mittelalterliche Erscheinungsbild des Schlosses betont werden.
Im weitläufigen Park sind damals zudem zwei Seen, eine Felsengrotte mit Wasserfall, eine Turniersäule, eine Sonnenuhr und eine Eremitage angelegt worden.

1819 wurde der zweitälteste Sohn Herzog Ernsts I., Prinz Albert, auf der Rosenau geboren. 1845 besuchte er das Schloss zusammen mit seiner Gemahlin, Queen Victoria von Großbritannien und Irland. Begeistert von der Atmosphäre des romantischen Schlosses schwärmte sie in ihren Erinnerungen: „Wäre ich nicht das, was ich bin, hätte ich hier mein wirkliches Zuhause.“
Prinz-Albert-Stadt, Stadt Rödental

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Nach vier Stunden Fahrerei und kurzen Fotostops bin ich dann endlich fertig – in doppelter Hinsicht. Aber so verbringt man doch gerne mal seinen Arbeitstag, oder was meint ihr?!

ein Kommentar

  1. Tatsächlich, eine wunderschöne Gegend, die entdeckt werden will. Da schweift unserer Blick in fast alle Richtungen und da liegt das Coburger Land fast unerkannt vor der Haustür

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