Lager Friedland: „Das Tor zur Freiheit“

Das Lager Friedland wurde am 20. September 1945 an den Grenzen der britischen, amerikanischen und sowjetischen Besatzungszogen liegend, errichtet. 500 000 Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer haben bis Ende des Jahres 1945 das Lager „durchlaufen“. Seit seiner Gründung 1945 war das Grenzdurchgangslager für mehr als 4 000 000 Menschen die erste Anlaufstelle in der Bundesrepublik Deutschland: „Das Tor zur Freiheit“!

 

    Opfer des Hasses

Mein Vater erzählte mir immer wieder von diesem Buch mit einem „schwarzen Einband und bisschen Gelb“, dass sein Vater damals laß, nachdem er aus russischer Gefangenschaft wieder zurückkehrte. Ein Buch, in dem ebenfalls ein junger Schlesier über seine Erlebnisse aus sechs Jahren russischer Kriegsgefangenschaft berichtet und schließlich 1949 entkräftet das Lager Friedland erreicht.
Mich ließ die Neugierde nicht los, so recherchierte ich im Internet und suchte verzweifelt nach diesem Buch, da wir Opas Exemplar mit seinen Notizen nirgends fanden – und tatsächlich fand ich es nach einiger Zeit. Das Buch „Opfer des Hasses“ ist eine erschütternde Dokumentation des jungen Oberschlesiers Rudolf P. Kuschka, der als Kriegsgefangener die Brutalität und Unmenschlichkeit des Lageralltags in den Jahren 1943 bis 1949 erfährt. Rudolf P. Kuschka hat mit der Veröffentlichung seiner Erfahrungen ein Denkmal und ein Mahnmal an das Leid dieser Menschen errichtet. „Sein Buch ist ein Appell zu größerer Mitmenschlichkeit in unserer Zeit“, so Dr. Alois M. Kosler.

Deshalb ließ ich es mir natürlich nicht nehmen –  als ich für mein Praktikum in Göttingen war – in den 20 Kilomenter entfernten Ort Friedland einmal selbst zu fahren.

Heute dient dieses Lager immer noch zur Aufnahme von Flüchtlingen. Doch von der Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Ortes ist heute nichts mehr zu erkennen. Ich war zugegeben etwas geschockt. Nur ein Schild mit der Aufschrift „Grenzdurchgangslager“ kennzeichnet das damalige Lager. Ansonsten erinnert hier an das damalige Lager nichts mehr außer die legendäre Friedensglocke.

Die Kapazitäten der Einrichtung des Lagers in Friedland werden wieder seit einigen Jahren zunehmend genutzt, um Asylbewerber unterzubringen. Friedland ist die erste Anlaufstation für die meisten der Flüchtlinge aus Syrien, die in Deutschland aufgenommen werden. Zwischen den zu Wohnungen umfunktionierten damaligen Auffangstationen steht heute noch die eben angesprochene Friedensglocke.
Welch enorme Rolle diese Glocke zur damaligen Zeit gespielt hat, zeigt sich vor allem in den letzten Worten von Rudolf P. Kuschka in seinem Buch:

„Und die Freiheitsglocke Friedlands, die schon vielen tausend Heimkehrern den ersten Heimatgruß entbot, trug auch dieses Mal die Botschaft weit in die klare Frühlingsluft. […] Wir waren daheim.“

 

    Heimkehrer-Mahnmal und Museum

Die Gedächtnisstätte auf einer kleinen Anhöhe, dem sogenannten Hagenberg, am Ortsausgang von Friedland gedenkt den Heimatvertriebenen und Heimkehrern. Das Mahnmal wurde dort 1967 errichtet, doch mittlerweile scheint selbst dieses hinter den Bäumen allmählich zu verschwinden.

Die vier Wandscheiben mit einer Höhe von bis zu 28 Metern, die symbolisch vier nach allen Himmelsrichtungen geöffnete Lagertore darstellen, wurden von den Künstlern Hans Wachter und Martin Bauer errichtet. Ihre Form soll die Spannungen erahnen lassen, unter denen die Heimkehrer und Flüchtenden standen.

Das Mahnmal bei Friedland
Das Heimkehrer-Mahnmal

 

Mit ins Bahnhofsgebäude ist das Museum Friedland integriert. Hier wird die Geschichte des Grenzdurchganslager erforscht, präsentiert, vermittelt und gesichert. Den Prozessen wie Abschied, Ankunft und Neubeginn wird man an diesem Ort unmittelbar ausgesetzt. Zeugnisse aus der Geschichte sind hier ausgestellt: persönliche Dinge, Gegenstände, Fotografien und Dokumente mit Bezug auf das Lager Friedland werden hier gesammelt und präsentiert. Auch Tagebücher sind hier ausgelegt, die einem unwillkürlich einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen…

Durch die ausgestellten Bilder, Dokumente und Gegenstände bekommt man einen radikalen Einblick in die damalige Zeit. Plötzlich realisiert man, dass das nicht nur eine Geschichte ist, sondern unsere Geschichte. Aus den Sammlungen und Ausstellungsgegenständen formen sich Menschen, denen all dieses Leid zugestoßen ist. All das ist tatsächlich stattgefunden und das wird einem unmittelbar bewusst.

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Kleiner Fun Fact am Rande: Als wir ins Museum kamen, waren gerade drei Ausländer in ein Gespräch verwickelt. Erst als wir uns kurz umschauten, erkannte ich, dass einer von den Männern einen Mitarbeiterpass um den Hals trug. Weil wir uns zudem ganz blöd anstellten, sparten wir uns jeweils die 5 Euro Eintritt und machten den Rundgang durch das Museum einfach mal gratis. Gekonnt ist gekonnt!

3 Kommentare

  1. ich habe Friedland vorher noch nie besucht, obwohl ich bis zum heutigen Tag immer wieder davon höre und ich schon 1986 das oben genannte Buch gelesen habe, erschütternd und mahnend,

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