Praktikum bei einem Basketball Bundesligisten

Nach Palma de Mallorca, Berlin und Hamburg soll Göttingen mein neues Zuhause werden – zumindest für die nächsten drei Monate. Für ein freiwilliges Praktikum bei dem Basketball Bundesligisten BG Göttingen im Bereich PR & Kommunikation packe ich mal wieder meine Koffer. 

An einem Sonntag mache ich mich auf in mein neues Abenteuer in Göttingen. Simon, mein neuer Mitbewohner, öffnet mir in einem weißen Hemd und einem darüber angezogenen dunkelblauen Pullover die Tür – das meine Mama später nur mit einem „Wie vorbildlich, der weiß was sich an einem Sonntag gehört“ kommentiert und dabei meinen Papa neckisch anschaut.
Und so bin ich mal wieder mit meinen gepackten Koffern in einem fremden Zimmer, in einer fremden Stadt – man müsste meinen ich kenne das, doch ich werde mich wohl nie daran gewöhnen.

Gleich am nächsten Tag geht es auch schon los. Mit meinem Rad mache ich mich auf den Weg zum Office der BG Göttingen. Mal wieder bin ich die Neue, muss mich neu eingewöhnen und mich neuen Herausforderungen stellen: Ich klingel zaghaft. Die große gläserne Tür öffnet sich automatisch. Als Birte – ab jetzt meine neue Chefin – mich fröhlich in Empfang nimmt, hat sie mir die erste Aufregung schon einmal abgenommen. Sie führt mich zuerst durch das neu gebaute Basketball Zentrum in der Geschäftsstelle am Schützenplatz. Alles schaut noch so neu, so professionell einschüchternd aus und überall wohin das Auge schaut, wird man daran erinnert, dass man sich unweigerlich in einem Basketballverein befindet. In Ruhe zeigt sie mir alle Räume und stellt mich meinen neuen zukünftigen Kollegen für die nächsten Monate vor.

Das BG-Basketball Zentrum
Der Blick von der Geschäftsstelle in die Trainingshalle

Der absolute Knaller: In der Geschäftsstelle integriert, ist die Trainingshalle der Veilchen, mit angrenzendem Fitnessstudio. Hier trifft man Spielerfrauen, NBA-Legenden und Mitarbeiter, die den Profis immer mal wieder gerne beim Training zuschauen – eine super Beschäftigung, wenn man mal gerade nichts zu tun hat! Doch ich saß natürlich nicht den ganzen Tag in der Lounge und schaute den Bundesligaprofis beim Schwitzen zu…

Fürs Erste starte ich mit den Presseclippings und allgemeinen anfallenden Büroaufgaben, dass bald mit den Nachwuchs Vor- und Nachberichten, Social Media Posts sowie das Drehen und Schneiden von Videos ergänzt wird.
An meinem ersten Tag, war ich allerdings nicht die einzige, die neu in Göttingen war: Jordan Loveridge wurde erst kürzlich neu verpflichtet und trifft ebenfalls gerade bei den Veilchen ein. Hautnah erlebe ich den damit verbundenen Ablauf in der Geschäftsstelle mit und Birte zeigt mir, worauf ich künftig bei den Social Media Veröffentlichung achten sollte – schon allein vom ersten Tag bin ich absolut elektrisiert!

Doch für den Anfang war es noch immer nicht genug.  Ein Highlight jagt das andere. Als Nächstes auf dem Programm steht das große Autogrammkarten-Shooting mit dem Team. Da normale Fotos jeder machen kann, soll es natürlich etwas besonderes sein: Wir dürfen die Profis mit lila Holi-Pulver bewerfen! Ein Spaß und vor allem eine Sauerei. Klar, das so etwas nicht gleich beim ersten Wurf sitzt.

Zudem darf ich auch gleich am Wochenende bei meinem ersten Basketballspiel der BG Göttingen in der Sparkassen-Arena dabei sein. Das erste Testspiel ist gegen BK Armex Decin bevor wieder die easyCredit Basketball Bundesliga startet.
Am Freitag, vier Stunden vor Tip-off, weiht mich Birte in meine Aufgaben während des Spiels ein. Aus einem Mix aus purer Überforderung, Neugierde und Spannung zugleich gehen wir anschließend in die Halle, direkt gegenüber von der Geschäftsstelle. Wo vor wenigen Stunden noch eine stinknormale Sporthalle war, liegt jetzt der typische Parkettboden in der Hallenmitte, Banden leuchten, Banner hängen an den Wänden, Tribünen werden wie Schubladen aus den Wänden herausgezogen, und die Kameramänner von Telekom Sport stellen ihre Kameras auf. Welch ein Aufwand hier betrieben werden muss, um diese Halle in eine bundesligataugliche Arena – wie man sie eben aus dem Fernsehen kennt – zu verwandeln.

Vor lauter Begeisterung merke ich nicht wie die Zeit vergeht: In wenigen Minuten ist Tip-off. Jetzt muss ich Birte zeigen, wie gut ich mit dem Wurf ins eiskalte Wasser umgehen kann…

…und wie sollte es anders sein: ich war überfordert! Doch gleich beim nächsten anstehenden Testspiel kann ich mich erneut beweisen – diesmal gegen die Telekom Baskets Bonn. Und es ist wie ausgewechselt: vorbereiteter gehe ich ins Spiel und halte eifrig die Fans auf den Social Media Kanälen auf dem Laufenden. Überglücklich, angespannt von der Partie und noch völlig unter Strom gehe ich kurz vor Mitternacht zu meinem Rad. Perplex muss ich feststellen: Mein Sattel wurde geklaut!

Gleich am Montag kaufte ich mir Lotte – ein altes Rad, das mich treu durch die restliche Göttinger Zeit brachte und schließlich am Ende mit nach Bamberg durfte.

Mit der Zeit werde ich routinierter in meiner Arbeit. Das Schreiben fällt mir leichter, mache mir nicht mehr so viele Gedanken, werde Kreativer und hatte von Spiel zu Spiel immer mehr Spaß – keine Spur von Langeweile, jedes Spiel war aufs Neue spannend. So nehme ich auch jedes Auswärtsspiel der Veilchen mit und begleitete Birte auf den Fahrten. Mein erstes Auswärtsspiel ist bei den Fraport Skyliners in Frankfurt. Dann geht es weiter vom Mitteldeutschen BC, über Brose Bamberg nach Bremerhaven – ich kann mein Glück kaum fassen.

Auf Bamberg freute ich mich besonders – denn es war ausnahmsweise mal KEIN Heimspiel für mich! Dazu kommt noch, dass ich zum ersten Mal ohne Birte an meiner Seite am Spielfeldrand saß und somit allein auf mich gestellt war.

Es war verrückt. Noch bis vor kurzem saß ich in den Zuschauerrängen und wünschte mir eines Tages dort bei der Presse sitzen zu dürfen! Wir wurden zwar von Bamberg abgefertigt (100:61), dennoch gehörte dieses Erlebnis zweifelsohne mit zu den Highlights (und das nicht nur weil ich fast von Maodo Lo abgeknutscht wurde während des Spiels) – obwohl natürlich die gesamte Zeit ein Highlight für mich war!

Donnerstags vergeht die Zeit immer wie im Flug – mein Lieblingstag der Woche (abgesehen vom Spieltag). Birte und ich warten immer bis die Jungs aus dem gegenüberliegenden Video-Raum rauskommen um ihnen mit Kamera und Mikrofon ausgerüstet direkt in die Trainingshalle zu folgen. Denn es ist Interview-Zeit… oder wie Kapitän Michael Stockton immer sagt: „Time to shine!“. Für den Video-Vorbericht wird jeden Donnerstag ein Spieler für das Interview ausgewählt  und um das Video natürlich etwas aufzupeppen und aufzulockern, darf ich die Profis während des Trainings begleiten und filmen.

Im Training
Hautnah im Training mit dabei

Doch plötzlich ist meine Zeit auch schon wieder vorbei. Am 16. Dezember ist es soweit: mein letzter Arbeitstag, mein letztes Spiel als „Göttinger“, mal wieder gegen die Telekom Baskets Bonn. Das Spiel verläuft nicht so wie ich mir das als „Abschieds“-Spiel gewünscht hätte – wir verlieren. Das drückt die ohnehin schon komische Stimmung bei mir. Erst jetzt spüre ich so richtig, dass ich eindeutig ein Veilchen geworden bin. Ich wurde in den letzten Monaten von Tag zu Tag mehr ein Teil vom Team. Es fühlt sich so an, als würde ich dazu gehören. Und jetzt muss ich schon wieder gehen.

Nach dem Spiel, als ich mit Birte den Presseraum ein letztes Mal verlasse und meine Arbeit somit getan ist, steht Katja – die gute Seele der Geschäftsstelle – hinter mir und sofort schießen mir die Tränen in die Augen… Plötzlich kommt auch Nils (Sponsoring und Hallensprecher der Sparkassen-Arena) vorbei und umarmt mich. Ich realisiere nun, dass die Zeit wohl gekommen ist und fühle mich wie in einer diesen typischen Abschiedsszenen einer Daily Soap und denke mir nur „Stop, Stop, Stop! Ich will noch nicht gehen!“.

Einen Tag davor kämpfte ich bereits mit den Tränen: Alle Mitarbeiter versammelten sich in der Geschäftsstelle an meinem Schreibtisch, während sich Frank – Geschäftsführer der BG Göttingen – für meinen Einsatz bedankte und Birte mir tatsächlich ein Veilchen-Trikot überreichte… sogar mit der Beflockung meines Namens!!! Ich konnte es überhaupt nicht fassen. Eine Geste mit der ich wirklich nie im Leben gerechnet hätte! Weshalb ich mich hier an dieser Stelle noch einmal bei allen aus tiefsten Herzen bedanken möchte.

DSC00429

Die kurze doch intensive Zeit hat mir gezeigt, dass es das ist, was ich einmal machen möchte. Ich hatte unglaublich viel Spaß und die Arbeit fühlte sich nie wirklich wie Arbeit an. Ich konnte unheimlich viel von Birte lernen, durfte so viele nette Menschen kennen lernen, mein Netzwerk erweitern, mich selbst als Person einbringen und vor allem meiner Kreativität freien Lauf lassen. Selbst die Spieler behandelten mich mittlerweile als eine von ihnen (sogar Darius Carter und Michael Stockton folgen mir mittlerweile auf Instagram!). Ich wollte einfach nicht gehen! Doch jedes Kapitel hat irgendwann sein Ende…

Der Fanblock
Beeindruckende Choreografie von den Veilchen-Fans

Gleich am nächsten Tag nach dem easyCredit BBL-Spiel, packe ich zusammen mit meinen Eltern mal wieder das Auto. Während wir zusammen meine zwei Räder auf dem Gepäckständer montieren, geht hinter mir ein Gartentürchen auf. Reflexartig drehe ich mich um. Erst nach ein paar Sekunden (mir kam es eher wir Minuten vor) realisiere ich wer vor mir steht: Dom, Atletic Coach der Veilchen! Völlig überrascht uns zu sehen, begrüßen wir uns. Zeitgleich hören wir uns sagen: „Was machst du denn hier?“ – worauf wir gleichzeitig antworten:  „Ich wohne hier!“. Drei Monate wohnten wir nebeneinander und wussten es nicht! Ich bin froh Dom noch einmal zu begegnen, denn er war der Einzige, den ich gestern nicht mehr gesehen habe um mich angemessen zu verabschieden. Wie das Leben eben manchmal so spielt!


Ob Fotoshootings, Autogrammstunden, Autoübergaben, Neuverpflichtungen, Verletzungen, lustige Auswärtsfahrten mit Promis auf der Rückbank oder verrückte Anrufe von Basispartnern und Hardcore-Fans… – ich war überall hautnah dabei und es gab keinen Tag, an dem mir langweilig wurde. Es gibt so viele Erlebnisse, Eindrücke und Geschichten, die mir dort passiert sind, die mir unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ich nie mehr vergessen werde. Ich weiß nur, dass ich jeden einzelnen Moment dort in Göttingen aufgesaugt und genossen habe. Das war eine Zeit, die ich für immer in meinem Herzen tragen werde. Das alles war nicht nur ein Praktikum – das war eine Erfahrung, die mich unglaublich voran gebracht hat in meinem Leben! Ein großes Dankeschön an alle, die dafür gesorgt haben, dass diese Zeit für mich so unvergesslich wurde!

 

3 Kommentare

  1. 👍🏻, super. So, spielt das Leben, die Zeit verfliegt ,die Welt 🌍 dreht sich weiter. Weiterhin wünsche ich dir einen abwechslungsreichen und spannenden Lebensweg, weiterhin so tolle Blogs.

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