Die Geschichte eines geteilten Dorfes

Die Amerikaner nannten es „Little Berlin“ – Mödlareuth: ein kleines Dorf, das durch eine Mauer getrennt wurde. Ein Dorf mit 50 Einwohnern, das zum einen Teil zum Bundesland Bayern und zum anderen Teil zum Bundesland Thüringen gehört. Entlang des Tannbachs verlief die innerdeutsche Grenze mitten durch das Dorf – 41 Jahre lang.

Die Teilung Mödlareuths war schon 1810 besiegelt. Die Verwaltungsgrenze zwischen dem Fürstentum Reuß und dem Königreich Bayern verlief damals schon durch das Dorf. Nach dem ersten Weltkrieg gehörte Mödlareuth je zur Hälfte zu Bayern und zu Thüringen. Erst mit der Teilung Deutschlands wurde die Grenze undurchlässig mit Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen.

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Nach der Wende entstand auf bayerischer Seite eine Denkmalstätte und ein Museumsgebäude. Hier werden Filme und Bilder gezeigt, die den Mauerbau, das Leben mit der Mauer und dem Happy End 1989 zeigen. Highlight des Deutsch-Deutschen Museums sind die 100 Meter Originalmauer. Kontrollstreifen, Metallgitterzäune und Beobachtungstürme auf der Seite von Thüringen erzählen vom schwarzen Kapitel Deutschlands.

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Mit einem Monat Verspätung feiert Mödlareuth am 09. Dezember den Mauerfall. Als nämlich im November 1989 die Berliner auf der Mauer tanzten, herrschte im oberfränkischen Dorf Totenstille. Erst einen Monat später wurde der Grenzübergang in Mödlareuth geöffnet. Beide Bürgermeister durchschritten als erste das geöffnete Tor in der Mauer. Tausend Menschen aus Bayern, Sachen und Thüringen folgten diesem Beispiel. Bei volksfestartiger Stimmung wurde bei Bier, Glühwein und Sekt ausgelassen gefeiert.
Das Tor der Mauer blieb allerdings zunächst nur von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr geöffnet. Nachts wurde es wieder von DDR-Grenztruppen verschlossen.

Ein Wiedersehen war besonders tränenreich. Jahrelang waren die Goller-Brüder durch die Mauer getrennt, jeglicher Kontakt war verboten. Selbst Winken war den streng überwachten Mödlareuthern auf DDR-Seite verboten.

Erst ein halbes Jahr später, am 17. Juni 1990, wurde die Betonmauer größtenteils abgetragen.

Doch Mödlareuth bleibt ein Kuriosum: eine Hälfte bayerisch, die andere thüringisch. Zwei unterschiedliche Postleitzahlen und Telefonvorwahlen sowie Fahrzeugkennzeichen. Auch zwei Bürgermeister kümmern sich um das Wohl der 50 Einwohner, deren Zugehörigkeit schon am Gruß zu erkennen ist: die einen sagen „Grüß Gott“, die anderen „Guten Tag“.
Den Alltag gestaltet man jedoch wieder gemeinsam und feiert gemeinsame Feste! 🙂

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