Berlin City Tour – Teil 1

Ich kenne sie aus Barcelona und Madrid. Die typischen roten Doppeldeckerbusse fahren mittlerweile in zahlreichen Städten ihre Sightseeing-Runden. Bisher mit meinen damaligen WG-Mitbewohnerinnen auch mal gut für ein kurzes Powernapping gut zu gebrauchen. Heute bin ich allerdings alleine unterwegs. Laut Plan gibt es drei verschiedene Routen – erste Abfahrt 9:30 Uhr, Letzte: 14:30 Uhr… Ein straffer Zeitplan, wenn man bedenkt: eine Tour dauert ca. 2 Stunden.

Mein zwei-Tage-Ticket ist „nur heute“ gültig, da morgen wegen des 43. Berlin Marathons alle Busfahrer zu Hause bleiben und ich Montag arbeiten muss…

Ich möchte mit Route B anfangen. Dafür fahre ich in die Oranienburger Straße um den ersten Bus um 9:58 Uhr zu erwischen. Um 9:30 komme ich an – noch massig Zeit. Dennoch suche ich schon einmal die Haltestelle. Aus der S-Bahn heraus komme ich an der neuen Synagoge vorbei, vor der zwei Polizisten ihre Streife ziehen. Eigentlich müsste sich hier die Haltestelle befinden: Sightseeingpunkt 2 laut Karte. Also laufe ich weiter. Keine Haltestelle. Ich laufe wieder zurück in die andere Richtung, vorbei an den Polizisten. Wieder keine Haltestelle. So laufe ich noch ein paar mal auf und ab – immer an meinen neuen Freunden, den Polizisten vorbei. Die haben wahrscheinlich sicherheitshalber schon einmal Verstärkung angeordnet, denn hier läuft eine etwas verwirrte Frau herum.

Doch ich kann alle beruhigen, ich bin weder verwirrt, noch wollte ich einen Anschlag verüben – der Bus kam nämlich. Endlich! Ich steige fröhlich ein und während ich das Ticket auf meinem Smartphone vorzeige, frage ich noch – eigentlich nicht ernstgemeint -„ich hoffe das geht so in Ordnung.“ „Nö“ entgegnet mir der Fahrer. Ich lache.
„Das geht so leider nicht. Auf dem Ticket steht sogar ´Bitte Ausdrucken`“ beharrt er und ich höre mich nur „Scheiße“ sagen. Nach einer endlos erscheinenden Diskussion mit dem Busfahrer nimmt er mich mit und gibt mir den Rat an der nächsten Haltestelle auszusteigen und das Ticket auszudrucken.

Wie ein bedröppelter Hund setze ich mich auf den nächstbesten Sitz und wartete auf die nächste Haltemöglichkeit: Hauptbahnhof.

Am Hauptbahnhof angekommen, steige ich aus und frage ihn „und wo kann ich das Ticket ausdrucken?“ Er zeigt auf das Hotel gegenüber von uns – „Fragen Sie mal an der Rezeption.“ Ich wechsle die Straßenseite, gehe durch die verglasten Schiebetüren hindurch und dachte mir nur „in was für einem Nobelhotel bin ich hier gelandet“. Ich folge dem roten Teppich zur Rezeption. Passend zu diesem Tag werde ich auch noch ausgerechnet von dem wohl süßesten Kerl von Berlin bedient. Ich muss schon selbst über meine Situation lachen und schildere ihm mein Problem. Ich bekomme eine Visitenkarte mit der Mailadresse des Hotels, leite mein Ticket weiter und wenige Sekunden später bin ich endlich glückliche Besitzerin meines ausgedruckten Tickets. Gott sei Dank habe ich seit zwei Tagen wieder Internet!

Im Grunde bin ich jetzt schon so k.O. von den Ereignissen, dass ich gleich wieder nach Hause fahren kann. Vor dem Bus wartet ein Mitglied der Berlin City Tours. Stolz halte ich ihm mein Ticket vors Gesicht, schwarz auf weiß! Während er den QR-Code scannt, sagt er zu mir: „Heute fahren die Busse nur bis 12:30!“ Kann mein Tag denn noch besser werden?! Er fügt an: „Und morgen garnicht. Du hast ja ein Zwei-Tage-Ticket, der zweite Tag wäre dann folglich der Montag.“ Rotzfrech antworte ich: „Das geht nicht, da arbeite ich.“ Noch während ich überlege, was genau ich da gerade gesagt habe, sagt der Typ zu mir: „Na dann machen wir es so, ich lasse das Datum noch offen, das trägst du es einfach nach wann du kannst“, drückt mir das Blatt in die Hand und wünscht mir viel Spaß. Überrascht stolpere ich in den Bus der Tour A.

Ich sitze ernsthaft endlich (!) im Bus. Mein Plan, den ich tags zuvor noch zurechtgelegt hatte, muss ich nun verwerfen. Schlussendlich fahre ich bis zur Tauentzienstraße und steige dort in die Route C um. A und B folgen nächstes Mal.

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Tour C ist die sogenannte Westend Tour. Im Stadtteil Charlottenburg fahren wir hier in einer kleinen Gruppe bestehend aus ca. 10 Leuten, einer City-Tour-Kommentatorin und Busfahrer Peter vorbei am Schloss von Charlottenburg, durch den Olympiapark und dem Olympiastadion, sowie dem Glockenturm, der Alten Liebe und vielem mehr. Da der Tag ja noch ziemlich uninteressant abgelaufen ist, fehlte natürlich das i-Tüpfelchen des Tages: Busfahrer Peter!

Am Glockenturm legt der Bus 30 Minuten einen Stop ein. Somit haben die Fahrgäste die Möglichkeit für 2 Euro und noch was (Geizhals Pia entschied sich schon ab dem Zeitpunkt ab dem klar war, dass es nicht umsonst ist, wegzuhören) auf den Turm hinaufzufahren und die Aussicht zu genießen. So warte ich die Minuten auf dem Platz vor dem Turm. Als so langsam die Mitreisenden wieder zurück kommen – und auch Peter – bewege ich mich auch wieder Richtung Bus um einzusteigen. In meiner Hand: die GoPro. Gefundenes Fressen für Peter um mich anzusprechen. So textet er mich zu über Technik, GoPros, Kameras und die neueste Technik.

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Während kurzer Pausen halte ich seinen Monolog für beendet und gehe einen Schritt auf den Bus zu. Doch Peter redet weiter. Diesmal geht er auf die ungeheuren Kosten dieser Technik ein. Mit einem weiteren Schritt will ich ihm signalisieren, dass die Fahrt weiter geht und ich einsteigen möchte. Problem: Peter ist der Busfahrer, ohne ihn wird der Bus wohl nicht losfahren. Also drehe ich mich wieder zu Peter und sage auch mal etwas zu ihm. Daraufhin wurde es privater. „Warum ich so alleine unterwegs bin?“ und „Was ich hier so mache?“ Ich bete meinen Text hinunter: Praktikum, kenne Niemanden, bla bla bla. „Na, wenn man so ausschaut wie Sie lernt man bestimmt schnell Leute kennen.“ Peter, danke für die Blumen, aber das ist mir doch etwas unangenehm, nicht nur weil die ganzen Leute im Bus alles mithören können. Deshalb steige ich nun in den Bus, die Treppen hinauf auf unser „Sonnendeck“. Doch Peter redet und redet und redet weiter. Peter redet wahrscheinlich heute noch mit mir…

Nach zwei Stunden ist die Tour dann auch wieder beendet. Mit einem ausgedigenen Shoppingtrip am Kuhfürstendamm und Papas Kreditkarte lasse ich den Tag noch erfolgreich ausklingen!

@Papa: das war nur ein Witz 😉 …vorerst!

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