Pack die Badehose ein

Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein
Und dann nischt wie raus nach Wannsee
Ja, wir radeln wie der Wind durch den Grunewald geschwind
Und dann sind wir bald am Wannsee

Ein Lied definitiv nicht aus meiner Zeit und doch kennt es so gut wie jeder. So spukt der Text den ganzen Tag durch meinen Kopf. Der Grund? Ich mache mich – zwar ohne Schwesterlein und ohne Rad – geschwind mit der S-Bahn auf den Weg zum Wannsee. Ich kenne den Wannsee ehrlich gesagt auch nur aus dem Lied und wenn ich schon einmal in Berlin bin, dann muss ich doch diesen berühmten Ort einmal besucht haben. Und es kommt wie es kommen musste: es regnet! Mir egal. Ich gehe trotzdem.

Also mit dem Bus zur S-Bahn in die S25 und dann mit der S1 Richtung Wannsee. Nach einer regelrechten Umsteige-Olympiade und einer knappen Stunde später bin ich da: Berlin Wannsee!

dsc04856

Im S-Bahnhof nehme ich den direkten Ausgang zu den Bootsanlegestellen und werde mit einem traumhaften Blick belohnt.

dsc04777

Ich gehe die Stufen zum See hinunter an das Geländer und schaue auf das Wasser – das erste mal seit Palma wieder: Meerblick, besser gesagt Seeblick. Auch bei dem trüben und grauen Wetter verliebe ich mich direkt in den Anblick.

Gegenüber von mir, auf der anderen Seite des Sees, da werde ich heute noch hinlaufen und ein bisschen die Gegend erkunden. Erst laufe ich immer am Ufer entlang. Überall stehen Sitzbänke, manche sind leer und manchmal sitzen Leute auf der Bank und genießen den Mittag. Der Blick ist auch unglaublich schön! Am liebsten würde ich meine Picknickdecke ausbreiten, das Brot, Käse, Salami und den Vino aus dem Korb holen und den ganzen Tag dort verbummeln. Ich Dussel hab natürlich alles Zuhause vergessen.
Vereinzelt sitzen auch Angler am Ufer, oder Obdachlose mit ihren Schlafsätzen. Auf der anderen Seite sehe ich Jungs im Boot und ihre Ruderübungen absolvieren – ich würde sagen ein ganz normaler Tag.

Nach bereits zwei Kilometern wird zu meinem Bedauern noch nicht die Zielflagge gezückt. Die Pfaueninsel ist leider zu weit weg, deshalb entscheide ich mich zur Liebermann-Villa und zum Haus der Wannseekonferenz zu laufen.

dsc04853

Durch prachtvolle Wohnviertel, vorbei an zahlreichen Segelvereinen und den ein oder anderen Villen komme ich an der Liebermann-Villa an. Diese Villa gehörte Max Liebermann und diente ihm als Sommerhaus, das heute als Museum umfunktioniert wurde. Doch nicht nur das imposante Haus lockt zahlreiche Touristen an, sondern vor allem der Garten. Doch am Eingang muss ich feststellen, um ein paar Blümla und Gräser anzuschauen, verlangt man 8 Euro, selbst die ermäßigten 4 Euro bringen mein Geizhalts-Gen wieder zum Vorschein und ich mach auf dem Absatz wieder kehrt.

Das war wohl nichts. Also laufe ich weiter zum Haus der Wannseekonferenz.
Auf dem Weg lässt eine Villa besonders meine Kinnlade sinken. Die Villa Herz lässt den Eindruck erwecken aus einem der Grimms Märchen entsprungen zu sein und gleich bittet mich eine Hexe hinein, bietet mir Lebkuchen an und lässt mich Kopfkissen aus den Fenstern ausschütteln.

dsc04806

Wenige Meter weiter kennzeichnen zahlreiche Busse in der engen und kleinen Straße, dass dort wohl das Ziel meiner heutigen Reise ist. Ich stelle mich vor das Tor und schau durch die Gitter den Weg hinunter auf das Haus. Lese erst das linke und dann das rechte Schild an dem Eingangstor und sehe „Eintritt frei“ – na wer sagts denn.

Ich muss gestehen… um den „Inhalt“ der Hauses interessiere ich mich recht wenig. Deshalb zieht es mich zu erst in den Garten. Ich laufe nicht mit dem Strom hinein in das Gebäude sondern gehe nach links in den Wald – entlang unter Bäumen, vorbei an alten Steinbänken und Statuen.

Vom Garten, vorbei an dem Haus geht es hinunter an das Wasser. Der Wannsee gespickt mit Booten.

dsc04824

Doch wenn ich meinen Eltern erzähle, dass ich am Haus der Wannseekonferenz war und nicht einmal reingeschaut habe, werden sie mich wohl enterben. Also laufe ich durch den Wald zurück zum Haus, gehe hinein, schnappe mir einen Flyer und schlendere durch die Räume hindurch.

Wannsee from Piarazzi on Vimeo.

Ein paar Infotafeln habe ich begonnen durchzulesen, habe mich unter eine Gruppe untergemischt, kurz der Reiseführerin zugehört und dann aber wieder den Ausgang genommen. Es ist nämlich langsam spät geworden.
Ein ereignisloser aber erstaunlich entspannter Tag geht zu Ende. Ein typischer Tag, den so wohl Ü-40 Menschen erleben, neigt sich dem Ende und mir wird klar: ich werde alt…

 

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: