Praktikantenstatus: Fehlanzeige!

„Ich mache ein Praktikum bei der WELT“ – Was sich die Leute dabei wirklich gedacht haben, als sie das gehört hatten, hätte ich zu gerne gewusst. Bei den meisten war von „Wow!“, „Respekt!“ und „Hammer!“ alles dabei. Ich bekam durchweg nur Positives zu hören. Doch ist es das?

Ich war nervös. Sehr nervös! Fragen wie „Was soll ich bloß anziehen?“, „Wie sind meine Kollegen?“, „Was werde ich dort überhaupt alles machen dürfen?“ schwirrten in meinem Kopf herum. Wie werden sie wohl mit einem Praktikanten umgehen? Sportdirektor und Dozent Herr F., lockte mich mit dem Satz „wenn du dein Schreiben intensivieren willst.“ Werde ich wohl selbst Artikel schreiben dürfen?

Etwas muss immer schief gehen

Überpünktlich um 7:45 Uhr fand ich mich im Haupteingang des Axel-Springer-Verlags ein. Ich sollte mich dort am Empfang melden. Doch die Dame am Eingang hatte nicht die leiseste Ahnung von irgendetwas, fader Beigeschmack: Ausländerin, die nur gebrochenes Deutsch konnte – aber ich will hier keine Vorurteile anheizen! Erstes Problem: das Telefon ging nicht. Nach langem hin und her, mehrmaligem Anrufen und probieren kam sie dann auf die glorreiche Idee per Handy im Büro der Sportredaktion anzurufen. Zweites Problem: ich stand nicht im System. Ich bekam also einen Besucherausweis und wartete brav am Eingang, bis mich eine Sekretärin aus der Redaktion abholen sollte. Nur wenige Minuten später kam Sanja auf mich zu. Sie nahm mich freundlich in Empfang, brachte mich durch die Security und schließlich in die heiligen Hallen des Verlags: dem Newsroom. Dort traf ich auf meinen Dozenten Herrn F. und meine Kollegen. Ich sollte mir einen Platz suchen, nach mehrfachen Tisch-hopping und PC-Karussell hatte ich einen Platz gefunden, der noch nicht besetzt war. Jungs, es wäre einfacher gewesen, wenn ihr mir gleich gesagt hättet, wo ich Platz nehmen darf. Ich stellte mich kurz vor, erzählte etwas über mich und dann ging es schon richtig los. Meine erste Morgenkonferenz. Acht Männer und Ich, vorherrschendes Thema: Olympia.

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Willst du mich heiraten, Ribéry? Oder doch lieber ein Eis?

Meine erste Woche und ich durfte auch schon meinen ersten Artikel schreiben. Als einzigste Frau in der Runde durfte ich mich mit den Heiratsanträgen bei Olympia in Rio 2016 befassen. Es lag eindeutig Love in the air! Von meiner Ursprünglichen Version ist – um ehrlich zu sein – nicht mehr viel übrig geblieben, aber ich habe schon allein dadurch eine Menge dazu gelernt. Beliebt habe ich mich wohl in der ersten Woche auch gemacht, denn schon in der darauffolgenden Woche stellte ein Mitarbeiter einen Kaffee zu mir an den Tisch. Mein Tischnachbar staunte nicht schlecht und fragte verblüfft: „Wie kommst du denn zu dieser Ehre?“ – Ich habe nicht die leiseste Ahnung!

Aber das sollte noch nicht alles gewesen sein. Es ging gleich weiter! Ich durfte mich gleich an einem Thema probieren, womit ich nicht gerechnet hätte. FC Bayern München und Frank Ribéry. 99% des Artikels besteht zwar nur aus Zitaten und Statements, aber das muss man auch erst einmal können! So bekam ich von dem Stellvertretenden Ressortleiter mein ganz eigenes Kürzel „psn“ und dazu gab es auch noch ein Eis vom Kollegen. Läuft!

Von De Maiziére bis Google Doodle

Im Großen und Ganzen gingen aufregende Wochen vorbei – wie im Zeitraffer, denn ich bin bereits einen Monat in Berlin! Ich bin nicht nur freundlich aufgenommen worden, sondern durfte auch Bundesinnenminister De Maiziére kennen lernen. Ich werde behandelt wie jedes andere Mitglied auch – Praktikantenstatus Fehlanzeige. Das zeigt mir, welch Vertrauen mir entgegengebracht wird. Gerade das ist es, was ich mitnehmen werden. Somit bekam ich auch pünktlich zur Halbzeit eine besondere Aufgabe: die Paralympics. Auch wenn es nicht so viele interessiert und sich manchen Männer lieber mit Fußball beschäftigen, die müssen gemacht werden. Zu meinem Glück, wurden diese mir zugeteilt. Dadurch das Google wieder „Google Doodle“ eingeführt hat und besonderen Focus auf die Paralympics gelegt wird, ist meine Chance gekommen auch weniger interessante Themen zu veröffentlichen und dadurch zu pushen. Bei Google Doodle werden Beiträge zu den Paralympics im Suchranking angetrieben. Probiert es selbst einmal aus: auf Google.de gehen und auf die Grafikelemente des Unternehmenslogo klicken, schon habt ihr alle wichtigen News zu den Paralympics in Rio 2016 auf einem Blick – vielleicht lest ihr ja auch sogar dann einen Beitrag von mir!

Autor: Pia Nowak

Und es geht gleich weiter, ohne Pause. Diese Woche gingen nicht nur wieder zwei Artikel von mir online, sondern einer hat es sogar in die Zeitung geschafft. Zum einen die tragische Geschichte von dem Syrer Ibrahim.

Zum anderen das Porträt von Martin Schulz. Ich selbst habe einen Tag vor seinem Abflug nach Rio ein Telefonat mit dem Paratriathleten geführt. Ich war ganz schön aufgeregt. Allerdings habe ich herausgefunden, dass er einen Mitstudenten und ehemaligen Dozenten von mir kennt. Per Whatsapp hat Flo mir berichtet, dass Martin eben noch im Büro vorbeigeschaut hatte und auch ein wenig Bammel vor dem Interview hat – da hatte ich schon meinen Eisbrecher. Nach einem angenehmen 30-minütigen Telefonat mit Martin, hab ich auch gleich meinen Dozenten und Martins Teammanager angerufen um noch O-Töne zu holen, die meinen Text auffrischen sollen. Am Samstag um 10 Uhr Rio Zeit geht Martin an den Start und somit auch mein Text.

Und da es natürlich nie langweilig wird, geht es gleich weiter. Ich habe heute bereits mein nächstes Projekt bekommen. Nach ein paar E-mails und Telefonaten habe ich meine nächste Interviewpartnerin. Dieses Mal wird es etwas größeres, das ins „Paid“ kommt, wie die Journalisten zu sagen pflegen. Also, ich muss los: die Arbeit ruft! 😉

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