Bonjour Nice

Am 04. August 2016 um 11:00 war es soweit. Abschied nehmen! Das Auto ist gepackt. Das Zimmer ist geräumt. Zwei Jahre sind vorbei. Zwei Jahre, die ich für ein Leben lang in meinem Herzen tragen werde. Vor allem meine zwei Mitbewohnerinnen haben den größten Beitrag dazu geleistet. Deshalb: kurz und schmerzlos, denn in Abschied nehmen war ich noch nie gut. 

Mit Übergepäck und leichter Übelkeit geht es nun zur Fähre. Mein Abschied wurde natürlich gebührend im Bierkönig gefeiert. Wie ich jetzt sagen kann, wohl ein wenig zu sehr… Pünktlich um 12:30 fährt die Fähre vom Hafen Palmas nach Barcelona. Jetzt sind wir circa sechs Stunden mit der Fähre unterwegs. Nach einem kurzen Blick vom obersten Deck zurück auf die Stadt, auf die Insel und auf meine zwei Jahre, verkrieche ich mich mit meinem Kissen in die Schlafstühle auf Deck 7 und schlafe… es war für mich doch eine recht kurze Nacht nach dem Bierkönig.

Nach sechs Stunden Fährzeit und vier Stunden schlafen gehts mit dem Auto runter von der Fähre, ab auf’s Land: Hola Barcelona! Es ist mittlerweile kurz nach 20 Uhr und vor uns liegen noch einige Kilometer bis nach Hause. Wir fahren nämlich jetzt direkt weiter: von Barcelona über Cannes nach Nizza (Tag 1)! Von Nizza über Monte Carlo und Genua nach Innsbruck (Tag 2) und von dort dann in mein wunderschönes Bamberg (Tag 3). Also, nächster Stop: Nizza! Oder wie der Franzose sagt: Nice (ausgesprochen: Nis).

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So fuhren wir bei Barcelona auf die Autobahn Richtung Frankreich. Bei Nacht vorbei an Gerona, Montpellier und Marseille wurde es langsam hell als wir auf die Küstenstraße nach Cannes abbiegen. Wir haben alle die letzten Stunden in den Knochen und entscheiden uns dazu in einem Ort  in der Nähe von Saint-Raphaël unseren morgendlichen Kaffee zu uns zu nehmen. Eingeengt von meinen eigenen Sachen klappe ich meine Beine wieder aus und war froh mich wieder bewegen zu können. Nach einem Kaffee mit Milch und einem Croissant ging es wieder zurück zum Auto, doch zwei Jahre Inselleben gehen nicht spurlos an einem vorbei: ich musste gleich mal meine Füße in das Meer halten… Bonjour France!

Danach geht es weiter auf der Panoramastraße Corniche de l’Estérel an der Côte d’Azur über Cannes nach Nizza!

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Rein in den noch größeren Großstadtdschungel! Kaum sind wir aus Cannes rausgefahren, sind wir auch schon in Nizza. Mittlerweile haben wir schon Mittag: ab ins Hotel! Von Palma aus hatten wir bereits eine Nacht im Hotel Mirabeau gebucht, jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis wir das Hotel auch finden…
Nach einer kleinen Stadtrundfahrt durch Nizzas Straßen und mithilfe unseres klugen Navigationssystem haben wir das Hotel dann auch gefunden. Mitten in der Innenstadt!

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Dann ging es auch ganz schnell. Auto abgestellt, eingecheckt, kurz abgeduscht und ab in die Stadt: Sightseeingtour durch Nizza! Wir sind raus aus dem Hotel Mirabeau und schon standen wir auf der Avenue Jean Médecin. Von dort aus laufen wir nun kerzengerade hinunter zur Promenade des Anglais (zu Deutsch Promenade der Engländer).

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Auf der Avenue Jean Medecin reiht sich ein Geschäft und ein Café nach dem anderen. Für die Frauen ein Shoppingparadies, für die Herren der Schöpfung wohl eher die Hölle auf Erden, oder für die Kreditkarte… „The Avenue“, wie sie von den Einheimischen genannt wird, mündet in den Place Massena mit dem Fontaine du Soleil. Ein beeindruckender Platz, mit seinem gekachelten Boden und der riesigen Breite wirkt er sehr imposant und obwohl es nicht viel zu sehen gibt, erweckt er in einem den Eindruck stehen bleiben zu müssen und ihn zu bewundern. Er gehört zu den wichtigsten Plätzen von Nizza: hier vereint sich Alt- und Neustadt, sowie die großen Boulevards der Stadt. Der perfekte Ort das bunte Treiben und die Leute zu beobachten! 😉
Wir laufen weiter hinunter zum Meer, zur Promenade des Anglais. Auf dem Weg zum Wahrzeichen dieser Stadt kreuzen wir sogar eine Hochzeit. Das lässt mich zumindest die schicken Kleider und die blau, weiß, roten Konfetti in der Luft vermuten. Kaum sind wir aus dem Schutz der umringten Häuser heraus bläst uns eine orkanartige Brise um die Ohren! Doch der wortwörtlich umhauende Gegenwind lässt uns nicht davon abhalten diese Prachtstraße und Wahrzeichen dieser Stadt entlang zu laufen.

Direkt neben der Promenade des Anglais ist ein sieben Kilometer langer Strandabschnitt, der in viele verschiedene Bereiche aufgeteilt ist, teils Öffentlich und teils gehören verschiedenen Strände zu den Hotels die hier an der Straße liegen. Bei dem heutigen Traumwetter ist hier natürlich auch ganz schön was los! Der Trubel wurde jedoch von Meter zu Meter weniger. Plötzlich war es ganz Still. Am Boden lagen tausende Blumen und Kuscheltiere… Genau auf der Straße wo ich gerade laufe war noch vor weniger als einem Monat das Attentat. Schwer begreifbar! Doch das Gefühl, das hier einen durchfährt ist eigenartig.

Ich dachte war hier liegt sei schon viel. Doch was ich dann sah… wir liefen ein Stück weiter hinunter, gingen über die Straße hinüber zu dem Monument du Centenaire.

Direkt neben der Verkehrshauptader an der Promenade des Anglais befindet sich ein Platz, beschatten von großen Bäumen und einem Pavillon in der Mitte: dem Monument du Centenaire. Zumindest war es das mal. Ich laufe durch das Tor auf den Platz und plötzlich war es Still. Unheimlich Still. Als hätte jemand die Lautstärke am Radio auf Null gedreht. Weder von den Autos auf der Straße, noch die Leute. Kein Ton! Hier herrscht komplette Ruhe. Der Platz besteht aus einem Meer von Kuscheltieren, Blumen, Flaggen, Plakaten, Postern. Wie viele Menschen hier ihre Anteilnahme an die Opfer des Attentates vom 14. Juli 2016 ausdrücken ist beeindruckend. Nicht nur Einheimische, sondern vor allem auch Touristen sind hier und sind sichtlich bedrückt.

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Als ich schon auf dem Weg wieder nach draußen bin, kamen mir fast die Tränen. Ich sehe ein junges Mädchen, kaum älter als ich, zusammengekauert in einer Ecke. Die rechte Hand hält sie vor ihrem Mund und weint bitterlich. Wenige Meter neben ihr ein Mann mit beiden Händen vor das Gesicht geschlagen. Wie ein schlag trifft mich diese Trauer. Davor schien noch alles so weit weg. Doch durch die zwei ist alles so real. Im Grunde kann es uns jeden zu jeder Zeit treffen… Mit reichlich Stoff zum Nachdenken gehen wir wieder zurück. Weiter an der Promenade entlang, genießen den Ausblick und lassen den Abend gemeinsam ruhig ausklingen.
Morgen geht es nämlich wieder weiter über Monte Carlo und Genua nach Freienfeld (Nähe Sterzing/Brenner).

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